Keine Angst vorm Fliegerarzt
Flugtauglichkeitszeugnis "Medical"

Keine Angst vorm Fliegerarzt

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Am Anfang jeder Pilotenausbildung steht die Flugtauglichkeitsuntersuchung. Diese wird ausschließlich bei flugmedizinischen Untersuchungsstellen durch einen Fliegerarzt durchgeführt. Das Netz dieser Untersuchungsstellen ist in Deutschland recht engmaschig, so dass jeder in seiner Umgebung einen Fliegerarzt finden wird. Für neue Piloten ist eine Erstuntersuchung vorgesehen. Die Erstuntersuchung ist immer mit einem vorherigen Besuch beim Augenarzt verbunden. Für die augenärztliche Untersuchung gibt es ein spezielles Formular, welches bei der Untersuchung verwendet wird. Ihr könnt es bei uns bekommen oder auch an verschiedenen Stellen im Internet runterladen. Das ausgefüllte Formular nehmt ihr dann mit zum Fliegerarzt, der es bewertet und weitere Untersuchungen durchführt. Er allein entscheidet, ob ihr als flugtauglich erklärt werden könnt. Als Dokument dafür erhaltet ihr das „Medical“. Das ist ein Ausweisdokument, welches, je nach Lebensalter, nach zwei oder fünf Jahren abläuft. Nach Ablauf des Medicals müsst ihr zu einer Nachuntersuchung, bei der ihr allerdings in der Regel nicht mehr beim Augenarzt vorstellig werden müsst.

Zunächst ist es wichtig, sich die Termine bei den Ärzten rechtzeitig geben zu lassen. Wenn man Pech hat, muss man zwei Monate auf einen Untersuchungstermin warten. Dabei sind die Termine beim Augenarzt und Fliegerarzt aufeinander abzustimmen; also erst zum Augenarzt, dann zum Fliegerarzt. Die Kosten für die Untersuchungen (in unserem Beispiel: 140,- € Augenarzt, 120,- € Fliegerarzt) muss jeder Bewerber selbst zahlen. Oft erhält man eine Rechnung mit nach Hause, die man später überweisen kann. Die Kosten für die Untersuchung beim Fliegerarzt werden von einigen Krankenkassen anteilig erstattet, wenn man sie als sportmedizinische Untersuchung einreicht. So erhält man von den 120,- € rund 90,- € von der Techniker Krankenkasse zurückerstattet.

Zu den Untersuchungen müsst ihr mitbringen:

  • Personalausweis
  • Ggf. eure Brille / Sehhilfe, Brillenpass
  • Bei Nachuntersuchungen: Fluglizenz, Flugbuch, altes Medical

Vielleicht macht sich der eine oder andere Sorgen: Komme ich da durch? Sind meine Augen womöglich zu schlecht? In den allermeisten Fällen sind die Sorgen jedoch unbegründet. Als normal-gesunder Mensch ist die Untersuchung in der Regel problemlos zu schaffen.

Während der augenärztlichen Untersuchung wird die für das Fliegen notwendige Sehfähigkeit geprüft. Man absolviert verschiedene Sehtests, die zum Beispiel darin bestehen können kleine Öffnungen in Kreisen zu erkennen, wie bei einem Autoführerschein-Sehtest. Das dreidimensionale Sehen und das Farbsehen werden ebenso überprüft, wie das Sehvermögen am Randbereich und die Pupillenreaktionen. Brillenträger sollten sich nicht entmutigen lassen. Auch mit recht hohen Dioptrien-Werten seid ihr flugtauglich, sofern eure Sehhilfe gut ausgleicht. Wichtig ist, dass ihr mit Brille gut sehen könnt. Aus eigener Erfahrung ist bekannt, dass Augenärzte manchmal nicht klar einschätzen können, ob ihr flugtauglich seid. Lasst euch vom Augenarzt nicht einreden, dass ihr keine Piloten werden könnt, sondern geht mit dem augenärztlichen Gutachten zum Fliegerarzt.

Der Flugmediziner beurteilt eure körperliche und psychische Verfassung. Zu Beginn erhaltet ihr direkt einen Fragebogen, der euren Geisteszustand abprüfen soll. Keine Sorge, mit gesundem Menschenverstand ist er gut zu beantworten. Ihr müsst eine Urinprobe abgeben und bekommt einen kleinen Piks in den Finger, aus dem euch ein Tropfen Blut entnommen wird. Hier wird insbesondere der Hämoglobin (Hb) – Wert ermittelt und bei älteren Bewerbern wird ein Zuckertest gemacht. Beim Lungenfunktionstest, auch Spirometrie genannt, wird die Funktionsfähigkeit eurer Lunge überprüft. Dazu bekommt ihr eine Nasenklammer aufgesetzt, müsst tief Luft holen und pustet so lange wie möglich in ein Gerät hinein. Dabei wird nun gemessen, wie groß euer Lungenvolumen ist und mit welcher Geschwindigkeit eure Luft fließt. Eigentlich ist das auch schon die „anstrengendste“ Übung. Oberkörper freimachen heißt es beim Ruhe-EKG, hier werden der Herzrhythmus und die elektrischen Aktivitäten am Herzen überprüft. In den Nachuntersuchungen müsst ihr direkt beim Fliegerarzt einen kleinen Sehtest machen, der aber halb so wild ist. Irgendwann lernt ihr dann auch den Fliegerarzt selbst kennen. Er wird euch noch mal vollständig körperlich untersuchen, Herz und Lunge abhorchen, Klopftests machen, Reaktionen testen und euch auf die Waage stellen. In einem ärztlichen Gespräch werden eventuelle Vorerkrankungen besprochen, so dass sich der Fliegerarzt ein umfassendes Bild von euch machen kann. Die Untersuchungen können je nach Alter und Untersuchungsstelle etwas abweichen.

Für unsere Sportpilotenausbildung reicht übrigens ein Tauglichkeitszeugnis der Klasse „LAPL“ aus. Oft prüfen die Untersuchungsstellen aber direkt auf „Klasse B“, der nächsthöheren Stufe, da sich die Untersuchungen kaum unterscheiden. Das Medical Klasse B wird zum Beispiel für die Privatpilotenlizenz benötigt und inkludiert die LAPL-Untersuchung. Über das Ziel hinausschießen dürfte eine Untersuchung der Klasse A, diese gilt für Berufspiloten.

Eva und Laura möchten bald mit der Flugausbildung bei der Flugschule Dankern – 22Skys starten. Daher besuchten die Schwestern kürzlich einen Fliegerarzt in Lingen und berichten von ihrer Erfahrung:

22Skys: Wie lange habt auf einen Termin warten müssen?
Eva: ca. 6 bis 7 Wochen, jedoch haben wir auch gleich einen Termin für zwei Personen zusammen gemacht. Vielleicht hätte eine Person alleine eher einen Termin erhalten.

22Skys: Mit welcher Erwartungshaltung seid ihr zum Termin gefahren? Habt ihr euch irgendwie darauf vorbereitet?
Laura: Wir haben uns auf den Termin nicht vorbereitet, da wir der Meinung sind, dass wir in einer guten körperlichen Verfassung sind und das ausreichend sein muss. Zudem muss unser Zustand für das Fliegen immer abrufbar sein 😄

22Skys: Wie habt ihr die Untersuchungen empfunden?
Eva: Die Untersuchungen haben wir ganz normal wahrgenommen, da wir in etwa wussten, was auf uns zukam.

22Skys: Inwieweit haben eure Vorstellungen bzgl. der Untersuchungen mit der Realität übereingestimmt?
Laura: Bei der Terminvereinbarung hatte ich gefragt, welche Untersuchungen durchgeführt werden. Da die genannten Untersuchungen vom Namen her auf jeden Fall bekannt waren, wussten wir ungefähr, was auf uns zukommt.

22Skys: Was sagt ihr Bewerbern, die vielleicht etwas Angst haben vor der Untersuchung?
Eva: Anderen Bewerbern würden wir Zuversicht empfehlen, da die Untersuchungen wirklich unspektakulär sind. Ein Vorteil der Untersuchungen ist ja auch, dass man direkt ein Update über die eigene körperliche Verfassung erhält.

Wir empfehlen euch, die ärztlichen Untersuchungen vor dem Ausbildungsbeginn durchführen zu lassen. Das Medical (mindestens LAPL) wird offiziell allerdings erst zu eurem ersten Alleinflug während der Ausbildung benötigt (§21 Abs. 3 LuftPersV).

Links:

Formulare des Luftfahrtbundesamtes (LBA) zur Flugtauglichkeit

In den FAQ unserer Ausbildungsseite findet ihr weitere Infos zum Thema sowie Fliegerärzte in der Umgebung