Die erste Flugstunde
Schnappschuss in der Luft: unser neuestes Schulflugzeug dreht ab

Die erste Flugstunde

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Die erste Flugstunde – was wird von mir erwartet?

Einige von euch fragen sich vielleicht, wie eine erste Flugstunde abläuft. Tatsächlich würde jeder Fluglehrer diese Frage etwas anders beantworten. Ich, als noch recht frischer Fluglehrer, hatte ebenfalls schon einige Möglichkeiten, mit Flugschülern ihre erste Flugstunde durchzuführen. Und eines vorweg: Wir erwarten erst mal gar nichts von euch, außer natürlich, dass ihr den Anweisungen der Fluglehrer Folge leistet. Während der Flugstunde bleibt der Fluglehrer immer der Verantwortliche an Bord.

Was Du mitbringen solltest

Du solltest optimaler Weise ausgeruht und voller Tatendrang, aber auch nicht übermotiviert zum Flugplatz kommen. Hungrig oder durstig zu fliegen ist genauso blöd, wie mit vollem Magen oder voller Blase. Ein Toilettengang ist für mich jedenfalls immer obligatorisch. Plane immer etwas mehr Zeit ein. Es können immer Verzögerungen auftreten, sei es wetterbedingt oder weil ein Flugzeug doch noch mal getankt werden muss. Sei rechtzeitig da und nimm Deine Umgebung erst einmal wahr. Woher kommt eigentlich der Wind und wie stark ist er? Wer sind meine Ansprechpartner und wo stehen die Ausbildungsflugzeuge? Es gibt schon am Boden eine Menge zu entdecken. Du solltest an eine Sonnenbrille denken und ggf. an ein Basecap oder dergleichen, um zu vermeiden, dass Du direkt in die Sonne schauen musst. Habe immer etwas Geld für eventuelle Landegebühren dabei, ebenso Deinen Personalausweis und ggf. weitere Unterlagen wie Dein Medical, Flugbuch und das DULV-Ausbildungsnachweisheft.

Es geht los

In der Regel werde ich Dich zunächst um das Ausbildungsflugzeug herum führen und Dir zeigen, wie der Außencheck anhand der Checkliste funktioniert. Keine Sorge, das werden wir noch häufiger machen. Du musst Dir nicht alles am ersten Tag merken. Dann geht es in das Cockpit. Ganz wichtig ist, dass Du vernünftig sitzt. Du musst an alle Hebel und auch an die Fußpedale optimal drankommen. Frag einfach nach, wenn etwas nicht passen sollte. Die Sitze lassen sich ein wenig verstellen. Einige Flugschüler müssen mit Kissen und Polstern nachhelfen, um eine optimale Sitzposition zu erlangen. Wir schließen die Türen und ich gehe mit Dir die Checkliste für die Innenkontrolle und zum Start des Triebwerks durch. Schritt für Schritt lernst Du dabei die verschiedenen Instrumente kennen. Nach einigen Minuten läuft der Propeller und Du freust Dich, dass es endlich losgeht. Über Dein Headset nimmst Du die Stimme Deines Fluglehrers wahr, aber vielleicht bist Du so aufgeregt, dass Du nur einen Bruchteil davon wirklich in Dir aufnehmen kannst. Wir rollen zum Rollhalt, dem Punkt, den wir ansteuern, bevor es auf die Piste, also die Startbahn geht. Eine weitere Checkliste wird abgearbeitet, dann rollen wir auf die Bahn. Ich werde mit Dir zunächst einige Rollübungen machen. Das Flugzeug wird am Boden mit den Füßen gesteuert. Das rechte Pedal steuert das Bugrad nach rechts, das linke Pedal steuert nach links. Es wird Dir anfangs kaum gelingen, das Flugzeug in der Spur zu halten. Auch diese Übung werden wir noch wiederholen.

Wir heben ab

Ich bespreche die Startphase mit Dir. Der Startlauf gehört zu den kritischen Phasen im Flug. Daher sind wir Fluglehrer währenddessen besonders aufmerksam. Am Anfang hast Du die Möglichkeit, den Start „mitzufühlen“, indem Du Deine Hände am Gashebel und dem Stick lässt. Schon nach relativ wenigen Flugstunden wirst Du den Start selbstständig durchführen können. Wir steigen jetzt erst einmal auf eine sichere Flughöhe von etwa 2.000 Fuß. Ab da kannst Du übernehmen. Du steuerst zum ersten Mal ein Flugzeug. Die Aussicht ist phantastisch und Du merkst, wie feinfühlig das Flugzeug auf Deine Steuerbewegungen reagiert. Wir fliegen sanfte Rechts- und Linkskurven. Ich werde Dir zeigen, wie Du einfach nur geradeaus fliegst, ohne dabei die Höhe zu ändern. Wir üben den Steigflug und den Sinkflug, werden eventuell auch schon den Langsamflug trainieren. Ich würde Dir zum Beispiel sagen: Reduziere mal die Geschwindigkeit auf 120 km/h und halte dabei Deine Höhe. Nun reduziere auf 110 km/h. Nach diesen Standard-Manövern kannst Du erst einmal verschnaufen. Ich lasse Dich ein wenig auf eigene Faust fliegen und zeige Dir dabei markante Bodenmerkmale, an denen Du Dich zukünftig orientieren kannst. Du wirst feststellen, dass aus der Luft alles anders aussieht. Du wirst vielleicht Schwierigkeiten haben, Dich zu orientieren – eventuell auch unseren Flugplatz ohne Hilfe nicht wiederfinden. Das ist anfangs völlig normal. Nach und nach entdecken wir diese neue Dimension mit Dir. Von Flugstunde zu Flugstunde wirst Du Dich besser orientieren können. Apropos Flugstunde: Eine Flugstunde dauert nicht pauschal 60 Minuten. Anfangs sind viele kurze Einheiten besser, als wenig lange. Wir werden etwa 45 Minuten in der Luft verbringen, bis es wieder zur Landung geht. Ich zeige Dir, wie wir uns in die Platzrunde einfädeln und bei der Landung kannst Du erneut „mitfühlen“. Die Landungen gehören dann wieder zur kritischen Flugphase. Die meiste Zeit der Ausbildung wirst Du damit verbringen, zu lernen, wie man das Flugzeug landet. Du hast also noch viel Zeit dafür, dies zu lernen. Falls Du bei der Landung mit dem Fluglehrer denkst: „Das schaffe ich doch nie“, dann kann ich Dich beruhigen: In 150 Landungen wirst Du das anders sehen.

Nachbesprechung

Zurück am Boden darfst Du die Kontrolle wieder übernehmen und das Flugzeug über die Piste und Rollbahn zurück steuern. Ich werde mich mit Dir unterhalten, um herauszufinden, wie Du selbst die Zeit in der Luft empfunden hast. Das ist spätestens der Zeitpunkt, um mir mitzuteilen, ob Dein Sitz vernünftig eingestellt war, ob das Headset irgendwie gestört hat oder zu leise war und ob Du Dich insgesamt gut gefühlt hast im Flug. Danach werde ich Dir mitteilen, was mir aufgefallen ist. In diesem Nachbriefing, welches mal länger und mal kürzer ausfallen kann, erhältst Du ein ehrliches Feedback zu Deinem Flug.

Und wie geht es dann weiter?

Du solltest Dich dann um einen Folgetermin kümmern und am Ball bleiben. Für einen schnellen Lernerfolg empfehlen wir zwei bis vier Flüge pro Woche. Natürlich ist dies weder bei Dir noch bei uns immer zu realisieren. Dennoch wären dies optimale Bedingungen. Du kannst zu Hause versuchen, den Flug noch einmal in Deinen Gedanken nachzuvollziehen. Was willst Du beim nächsten Mal anders machen? Was hat gut geklappt? Auch zukünftig kann Dir dieses mentale Training helfen, fliegen zu lernen.

Ganz wichtig: Sprich uns jederzeit an, falls Du Fragen haben solltest.